Der Bogen

 

Die Geschichte des Bogen

 

Die Erfindung des Bogens, oder besser die Entwicklung des Umgangs mit Pfeil und Bogen bedeutete einen wahren Meilenstein in der Menschheitsgeschichte. Eine relativ große Anzahl von Pfeilen konnte Platz sparend mitgeführt und auf größere Distanz wesentlich präziser (als beispielsweise mit Speer oder Speerschleuder) geschossen werden!

Nicht nur, dass damit das Risiko der Jagd entscheidend verringert und die Effizienz der Beutezüge gesteigert werden konnte, waren Pfeil und Bogen die passende Antwort auf sich verändernde Wildpopulationen. Großwild wie Mammut und Wollnashorn starben mit der Zeit aus, so rückte mehr und mehr „flüchtiges“ Getier wie z.B. Rentiere ins Visier der Steinzeitjäger.  

 

Von der Archäologie kann die Erfindung des Bogens nicht exakt bestimmt werden. Der Grund: da in grauer Vorzeit sowohl Bogen als auch Pfeile aus organischen Materialien hergestellt wurden, welche die Zeit nicht überdauert haben.

Erst als der Mensch daran ging, Pfeilspitzen aus Knochen und Steinen herzustellen, hinterließ er eindeutig zu datierende Belege für die Verwendung dieser Distanzwaffe, zahlreiche Anhaltspunkte sprechen dafür, dass der Bogen schon seit ca. 20.000 Jahren „Begleiter“ des Menschen ist! Der älteste Bogenfund stammt aus Mannheim, welcher ca.17600 Jahre alt ist. Bislang waren die ältesten gefundenen Pfeile auf ca. 12000 Jahren datiert. Nicht zu vergessen ist natürlich der archäologische „Jahrhundertfund“ auf dem Hauslabjoch in den Ötztaler Alpen die Gletschermumie eines ca. 5.300 Jahre alten Mannes („Ötzi“), zu dessen wesentlicher Ausrüstung ein Langbogen samt Köcher mit 14 Pfeilen gehörte.  

 

Obgleich Pfeil und Bogen über Jahrtausende hinweg die Hauptdistanzwaffe schlechthin darstellten, wurden sie interessanterweise in den verschiedenen Kulturen der Erde recht unterschiedlich bewertet.

Teils sah man den Umgang mit dem Bogen als „feige“, „knabenhaft“ oder „heimtückisch“ an (etwa bei den alten Griechen oder den Germanen), teils sah man in ihnen auch eine gar königliche Bewaffnung (vor allem in den ostasiatischen und orientalischen Regionen).

Definitiv erreichte die Kriegswaffe „Bogen“ im europäischen Mittelalter ihren Höhepunkt.  

Ganz besonders hervorzuheben sind dabei die englischen Langbogenschützen, die wohl keinen geringen Anteil daran hatten, dass sich das Zeitalter des europäischen Rittertums im Laufe der hundertjährigen Auseinandersetzung zwischen England und Frankreich langsam dem Ende neigte. Wie aus zahlreichen Schlachten, so z.B. Grecy 1346, Poitiers 1356, oder

Agnicourt 1415, berichtet wird, durchschlugen englische Pfeile die Panzer der französischen Reiter mit verheerender Wirkung.

 Was die Feuerfrequenz anbelangt, waren die englischen Langbogenschützen (12 Pfeile/Minute) den gegnerischen Armbrustschützen (1 Bolzen/Minute) überlegen.  

 

Neben den Bogenschützen von den britischen Inseln, waren es vor allem die Reitervölker des Ostens, die mit ihren hoch entwickelten, sehr handlichen Kompositbögen  in die Schlacht zogen und einmal mehr die Schwäche der schwer gepanzerten und damit unbeweglichen europäischen Ritterschaft aufzeigten.

Erst durch das Auftreten der Feuerwaffen am Ende des Mittelalters wurde der Bogen in kriegerischen Auseinandersetzungen verdrängt. Grund hierfür war allerdings nicht etwa eine Unterlegenheit von Pfeil und Bogen, sondern ein ganz anderer: Armbrust und Musketenschützen waren wesentlich leichter auszubilden und somit billiger.  

 

Die sichere Beherrschung des Bogens setzte hingegen jahrelanges Training voraus und hatte damit sehr viel mehr gekostet. Ein Blick über den Atlantik verrät, dass der Bogen in den nordamerikanischen Indianerkriegen des 19. Jahrhunderts immer noch eine gefürchtete Waffe gewesen war, dem erst mit Einführung der Repetiergewehre Einhalt geboten werden konnte. Nachdem der Bogen kurzfristig von der Bildfläche der Geschichte verschwunden war, erlebte er zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine sowohl jagdliche, als auch sportliche Renaissance.

Es waren Männer wie die Amerikaner Saxton Pope, Art Young oder Howard Hill, die als Pioniere des modernen Bogensports diese uralte Tradition für sich entdeckten und sie fast bis zur Perfektion weiterentwickelten.

„Berühmt “ wurde unter ihnen schließlich Howard Hill, der neben seinem Beruf als Bogenbauer und Bogenjäger, sich seinen Lebensunterhalt durch Auftritte als Kunstschütze in diversen Sportshows bzw. als Darsteller oder Double in bekannten Filmen aufbesserte.

Sein wohl berühmtester Auftritt dürfte dabei in Errol Flynn’s „Robin Hood“ gewesen sein, sämtliche Schießszenen in diesem Film wurden von Hill durchgeführt, wobei man bewusst auf Trickaufnahmen verzichtete und sogar die berühmte Szene, in der Howard Hill als Robin Hood verkleidet einen Pfeil mit einem „Meisterschuss“ durch einen zweiten spaltet, wurde ohne Hilfsmittel gedreht.  

 

Ganz im Zeitgeist des 20. Jahrhunderts bleibt auch der Bogensport vom technischen Fortschritt nicht verschont. So wurde schon 1946 das Fiberglas in den Bogenbau eingeführt, welches das

Material wesentlich haltbarer werden ließ. Zudem ging die technische Entwicklung dieses Sportes in die verschiedensten Richtungen und als man in den 70er Jahren schließlich den „Compoundbogen“ erfand, erlebte auch die Bogenjagd erneut einen Boom.

Heute gibt es allein in Nordamerika gut 2,5 Millionen Bogenschützen, von denen nicht wenige mit Pfeil und Bogen auf die Jagd gehen. Interessant ist auch, dass trotz aller technischen Neuerungen, trotz allen Einsatzes hochwertiger Materialien wie Fiberglas oder Carbon, sich der Trend in die Traditionelle Richtung (also mit einfachen Lang- oder Recurvebogen ohne Visiereinrichtungen) entwickelt.

In den letzten 10 bis 15 Jahren nahm die Zahl der „Traditionellen“ stetig zu. In einigen Ländern, darunter auch Deutschland, sind die traditionellen Bogenschützen schon in der Überzahl.

Egal ob  Primitiv,  Langbogen, Recurvebogen oder Compound, ...gleichgültig ob Hunter , FITA oder Feld - die ganze Bogensportvielfalt kennt nur ein gemeinsames Ziel:

Das Erleben der Kräfte, das Spüren des Zusammenspiels von Körper Geist und Bogen.


Freundliche Angabe der Schützen Gilde Volkach

 

     

    Romanische Kirche in Biburg

             bei Abensberg